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Kontaktabbruch, Narzissmus und dysfunktionale Familie: Muss man den Kontakt immer abbrechen?

Kontaktabbruch ist eines dieser Themen, bei denen vieles sehr schnell sehr eindeutig wird. Gerade dann, wenn es um Narzissmus, eine dysfunktionale Familie oder die eigene Mutter geht. Dann steht oft unausgesprochen im Raum: Entweder du ziehst jetzt einen klaren Schlussstrich oder du hältst weiter aus, was dir nicht guttut. Genau das greift aus meiner Sicht oft zu kurz. Denn die Realität in solchen Familiensystemen ist selten eindeutig. Da wirken Trauma, Bindung, Schuldgefühle, Hoffnung, Angst und Loyalität gleichzeitig. Und wenn es um eine narzisstische Mutter geht, dann ist das nicht einfach irgendein Kontakt, den man sachlich beendet. Deshalb ist es mir wichtig, über Kontaktabbruch nicht so zu sprechen, als gäbe es dafür eine einfache Standardlösung.

 

Kontaktabbruch ist keine Kleinigkeit und ganz sicher kein vorschneller Schritt

Was mich an dieser Debatte manchmal irritiert, ist die Art, wie Kontaktabbruch beinahe als schnelle Antwort behandelt wird. Als würde es genügen, ein Verhalten als narzisstisch oder verletzend einzuordnen, um sofort Konsequenzen ziehen zu können. In der Realität ist das meist nicht so. Vor allem nicht in einer dysfunktionalen Familie. Diese Entscheidung entsteht in der Regel nicht leichtfertig. Ihr gehen oft Jahre voraus – Jahre, in denen gesprochen, erklärt, gehofft, angepasst und Grenzen gesetzt wurden, die dennoch immer wieder überschritten wurden. Genau deshalb ist Kontaktabbruch selten eine spontane Reaktion. Häufig ist er das Ergebnis eines langen inneren Ringens.

 

Warum es bei einer narzisstischen Mutter oft besonders schwer ist, auf Abstand zu gehen

Gerade wenn es um eine narzisstische Mutter geht, ist Kontaktabbruch oft nicht deshalb so schwer, weil man die Dynamik nicht erkennt, sondern weil darunter eine sehr tiefe Bindung liegt. Es geht nicht um irgendeine Person, sondern um die Mutter. Wenn du in einer dysfunktionalen Familie groß geworden bist, hast du wahrscheinlich früh gelernt, dich anzupassen, Stimmungen zu lesen, Schuld bei dir zu suchen und immer wieder zu hoffen, dass sich doch noch etwas verändert. Deshalb trennen sich viele nicht nur von einem realen Kontakt. Sie verabschieden sich auch von einer Hoffnung, von einem inneren Bild, von der Mutter, die sie eigentlich gebraucht hätten.

 

Nicht immer ist sofort No Contact nötig

Mir ist an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass es nicht nur die Extreme gibt. Nicht nur alles weiter aushalten oder sofort einen vollständigen Kontaktabbruch vollziehen. Dazwischen liegt oft Low Contact. Also weniger Kontakt, mehr Abstand, weniger Verfügbarkeit und mehr Schutz für das eigene System. Für viele ist das überhaupt erst der Schritt, der realistisch umsetzbar ist. Nicht mehr jedes Telefonat annehmen. Nicht auf jede Nachricht sofort reagieren. Gespräche kürzer halten. Bestimmte Themen nicht mehr öffnen. Und vor allem beobachten, was dieser Abstand innerlich verändert. Gerade bei Narzissmus in der Familie wird oft erst mit etwas Distanz spürbar, wie viel Anspannung der Kontakt die ganze Zeit ausgelöst hat.

 

Warum sich Kontaktabbruch nicht immer sofort richtig anfühlt

Was viele unterschätzen: Kontaktabbruch kann sich anfangs sehr schwer anfühlen, obwohl er richtig ist. Nicht unbedingt erleichternd, ruhig oder befreiend, sondern erst einmal bedrohlich, leer oder von Schuldgefühlen begleitet. Das hat auch damit zu tun, dass das Nervensystem an bestimmte Dynamiken gewöhnt ist. Wenn du in einer dysfunktionalen Familie oder mit einer narzisstischen Mutter groß geworden bist, war Stress möglicherweise lange kein Ausnahmezustand, sondern Normalität. Wenn dieser Kontakt dann wegfällt oder reduziert wird, reagiert der Körper nicht automatisch mit Erleichterung. Manchmal reagiert er zunächst mit Alarm. Nicht weil die Entscheidung falsch ist, sondern weil das eigene System erst lernen muss, dass weniger Kontakt auch mehr Sicherheit bedeuten kann.

 

Ohne klare Grenzen tragen weder Low Contact noch Kontaktabbruch wirklich

Was bei Narzissmus und in einer dysfunktionalen Familie besonders wichtig ist: Grenzen sind nicht nur etwas, das formuliert wird. Sie müssen auch innerlich gehalten werden können. Und genau darin liegt oft die eigentliche Schwierigkeit. Schuld springt an. Angst springt an. Der Wunsch, sich zu erklären, springt an. Und häufig wird man wieder weich, wenn das Gegenüber leidend, vorwurfsvoll oder manipulativ reagiert. Deshalb geht es nicht nur darum, einmal auszusprechen, was man nicht mehr möchte. Es geht auch darum, sich innerlich so auszurichten, dass man unter Druck nicht sofort wieder in die alte Rolle zurückfällt. Genau an diesem Punkt beginnt oft die eigentliche Veränderung.

 

Manchmal ist ein vollständiger Kontaktabbruch der gesündeste Schritt

Ich halte es für wichtig, beides auszusprechen. Nicht jeder muss sofort den Kontakt abbrechen. Aber es gibt Situationen, in denen genau das notwendig wird. Wenn jeder Kontakt erneut destabilisiert. Wenn Gespräche immer wieder in Manipulation, Abwertung, Verwirrung oder massive Grenzüberschreitungen kippen. Wenn der Körper deutlich signalisiert, dass diese Dynamik nicht mehr tragbar ist. Dann ist Kontaktabbruch nicht überzogen und auch nicht kalt. Dann kann er schlichter Selbstschutz sein. Und manchmal liegt genau darin die eigentliche Wahrheit: nicht länger zu diskutieren, ob es schon schlimm genug ist, sondern ernst zu nehmen, was das eigene System längst zeigt.

 

Fazit: Nicht radikal entscheiden, sondern ehrlich

Wenn du gerade an dem Punkt bist, an dem du dich fragst, ob Kontaktabbruch bei Narzissmus, in einer dysfunktionalen Familie oder gegenüber einer narzisstischen Mutter der richtige Weg ist, dann musst du nicht sofort eine perfekte Entscheidung treffen. Aber du darfst aufhören, dich dabei selbst zu übergehen. Du darfst ernst nehmen, was der Kontakt in dir auslöst. Du darfst Abstand brauchen. Du darfst Grenzen setzen. Du darfst prüfen, ob Low Contact für dich stimmig ist. Und du darfst auch anerkennen, wenn dein System längst zeigt, dass es mehr Schutz braucht. Nicht jede Wahrheit fühlt sich im ersten Moment gut an. Aber sie bleibt trotzdem wahr.

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